Der Wassersportclub Halle in seiner 50 jährigen Geschichte

Der Wassersportclub (WSC) Halle e.V. wurde im April 1990 gegründet, blickt auf eine über 50jährige Geschichte zurück und hat Höhen und Tiefen in seiner Entwicklung erlebt. Jeder wird sich fragen, 1990 gegründet und schon 50 Jahre alt, wie geht das zusammen? Richtig; ähnlich wie in der Stadtgeschichte Halles, aber doch anders. Man muss dazu das Rad der Geschichte des Wassersportvereins etwas zurückdrehen, um diese Aussage wirklich zu verstehen.

Die DDR hatte im Jahr 1952 die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) ins Leben gerufen um Jugendliche in verschiedenen Sportarten nach dem Muster des Arbeitersports einzubeziehen, sowie durch zielgerichtete sportliche Aktivitäten auf den Dienst in der Nationalen Volksarmee vorzubereiten.

In den Großbetrieben der Stadt Halle, wie dem Waggonbau, dem Starkstromanlagenbau und anderen Einrichtungen wurden Grundeinheiten der GST gegründet. Dies geschah u.a. am 4.September 1952 im Waggonbau Ammendorf mit einigen Sektionen, wie Motorsport, Segelflugsport, Seesport sowie dem Schiffsmodellbau. In der Folge wurde im Jahr 1954 am Tagebaurestloch Halle-Osendorf der Grundstein eines Bootshauses für die Sektion Seesport gelegt. Dieser Bau sollte das Gerüst für die Seesportler des Waggonbaubetriebes Ammendorf werden. Das Augenmerk richtete sich auf Jugendliche und interessierte Wassersportler, welche bereit waren, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu erleben, sportliche Leistungen im Breitensport zu erreichen und sich gleichzeitig einen Ausgleich zur täglichen Arbeit zu verschaffen. Vergessen wir nicht, die Freizeitangebote zur damaligen Zeit waren nicht gerade üppig, von sportlichen Betätigungsfeldern im Breitensport und Fitnesszentren ganz zu schweigen.

Nach anstrengenden Arbeiten in den Folgejahren wurde der Seesportstützpunkt zu Pfingsten  des Jahres 1956 eingeweiht. Nun konnte die Bootstechnik, sie bestand aus zwei Ruder/Segelkuttern K10, zwei Ruderdingi und einer Segeljolle vom Typ „Pirat“, sicher untergebracht werden. Diese Boote dienten der seemännischen Ausbildung und wurden auch für wassersportliche Wettkämpfe genutzt. Weiterhin waren das seemännische Winken mit Winkflaggen, Tauklettern, Knoten und Spleißen, Kuttersegeln, Kutterrudern, Laufen und Kleiderschwimmen Bestandteile der Ausbildung.

Der Waggonbau Ammendorf als ‚Trägerbetrieb’, wie es damals genannt wurde, übernahm nunmehr im Auftrage des Staates sämtliche Rechtsgeschäfte, war verantwortlich für die Ausstattung und die Instandhaltung der Sportstätte, trug die laufenden Kosten und finanzierte Sportveranstaltungen sowie Meisterschaften. Dem gesellschaftlichen Charakter dieser Zeit entsprechend orientierte sich die GST immer mehr darauf, ihre Rolle als vormilitärische Organisation auszubauen. Aus den sporttreibenden jugendlichen Seesportlern sollte über gezielte Programme und Maßnahmen der Kaderstamm des militärischen Nachwuchses der Volksmarine herangebildet werden. Dieser Auftrag war besonders stark in den 80iger Jahren ausgeprägt und verursachte einen beträchtlichen Mitgliederschwund unter älteren und anders denkenden Mitgliedern.

Bereits Ende der 60iger Jahre ergab sich eine Interessengemeinschaft mit einer gleichartigen Seesportsektion des VEM Starkstromanlagenbau Halle-Leipzig -nach dem Motto: ‚Gemeinsam sind wir stärker’-  konzentrierten wir die Kräfte. Nicht die vormilitärische Ausbildung, sondern die sportlichen Erfolge in den Jahren 1968 bis 1974 im  Seesportmehrkampf waren es, die den Seesport aus Halle und unseren Verein bekannt machten. Die größten Erfolge als Hallenser Seesportler feierten wir in den Jahren 1972 und 1974 mit dem Gewinn der Meisterschaft der DDR im Seesportmehrkampf. Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff ‚Seesportmehrkampf’ wird man sich fragen? In verschiedenen Disziplinen wird um einen Mannschafts- bzw. Einzeltitel gekämpft, dies sind 1000m-Kutterrudern, 10000m-Kutterrudern, Kuttersegeln in mehreren Segelläufen, 1500m-Geländelauf, 100m Schwimmen und seemännisches Knoten nach Zeit. Zur damaligen Zeit gehörte auch eine Disziplin im KK Schießen zum Sportprogramm.

Die Wassersportler aus Halle können ebenfalls auf etliche Siege bei Pokalwettkämpfen im Langstreckenrudern mit dem Kutter (10 Mann Besatzung + Bootssteurer) zurückblicken. So gingen immerhin Siege und Pokalgewinne wie beim „Großen Preis der Warnow“ (über eine Strecke von 13 km) in Rostock oder beim „Havelpokal“ (10 km) in Potsdam auf unser Konto. Bei Segelwettbewerben waren die ‚Landratten’ aus Halle gleichfalls Spitze. Als Gewinner des Langstreckensegeln um das „Blaue Band vom Strelasund“ im Jahr 1976 in Stralsund und weiteren Pokalen im Land konnte sich die Besatzung des halleschen Bootes auszeichnen. Im internationalen Maßstab mischten die Hallenser gleichfalls kräftig mit. Einige unserer Vereinsmitglieder konnten in der Seesport Nationalmannschaft in Rostock, Riga und in Polen an Meisterschaften zwischen den ehemaligen Ostblockstaaten teilnehmen. Die angebotenen Möglichkeiten der damaligen Zeit beschränkten sich nicht nur auf die sportlichen Aktivitäten, sondern es wurden auch andere Tätigkeiten im Verein und in der Freizeit durchgeführt. Viele Mitglieder erwarben einen Befähigungsnachweis zum Führen von Sportmotor- oder Segelbooten um an Ferienfahrten auf den schönsten Gewässern des Landes aktiv teilzunehmen. Diese Art der Beschäftigung wurde und ist gleichsam fester Bestandteil des Freizeitangebotes im Seesport.

Durch einen Erdrutsch im Jahr 1973 wurde unser Bootshaus am Osendorfer See, welches in vielen freiwilligen Aufbaustunden entstand, innerhalb kürzester Zeit zerstört. Die Bootstechnik und Ausrüstung wurde glücklicherweise gerettet und die Ausbildung und Wettkampftätigkeit fortgesetzt. Nach diesem Vorfall begann die Suche nach einer entsprechend nutzbaren Fläche im Stadtgebiet von Halle. Schließlich wurde man am Hufeisensee nahe dem Ortsteil Kanena fündig. Anfangs war es nicht einfach, an der alten Mülldeponie einen neuen Seesportstützpunkt zu errichten. Aber auch hier wurden, wie in den Anfangsjahren, viele freiwillige Stunden geopfert um ein ansprechendes Vereinsgebäude aufzubauen. In der Folge wurde das Gebäude erweitert und Tauchsportler fanden gleichfalls eine Unterkunft. Über Jahre ist der WSC Halle jetzt zusammen mit dem Tauchclub „Orca“ Nutzer dieses Objektes, welches zurzeit noch von der Stadt verwaltet wird.

In den Wirren der Wendejahre wusste niemand so recht wie es sportlich und gesellschaftlich für den Verein weitergehen sollte. Die GST gab es nicht mehr, die Mitglieder hatten somit keine Möglichkeit ihren Sport weiterhin auszuüben und der ‚Anstrich’ der Vergangenheit machte es nicht leicht einen Neuanfang zu wagen. Den Seesportlern im Osten Deutschlands, also auch in Halle blieb nur die Alternative, den Verein durch Neugründung im geregelten Vereinsrecht festzuschreiben. Es waren die alten Mitglieder, sie hatten schon viele Jahre vorher Erfolge errungen und den Stützpunkt mit aufgebaut, die sich im April 1990 zusammenfanden und den Verein unter neuen Verhältnissen begründeten. Der Wassersportclub Halle e.V. trat als gemeinnütziger Sportverein (übrigens unter der Nr. 13 im Vereinsregister eingetragen) damit die Rechtsnachfolge der Sektion Seesport der GST an. Die Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden, vor allem am Hufeisensee waren zu damaligen Zeit alles andere als klar, aber wir gingen mit Feuereifer daran, uns unter dem Dach des Deutschen Seesportverbandes (DSSV) zu etablieren und in den uns eigenen sportlichen Wettbewerben die Kräfte zu messen.

Nun ergaben sich auch andere Ziele und Möglichkeiten, an Meisterschaften und Wettkämpfen in Deutschland teilzunehmen. Die Wege führten uns u.a. zu den Segelregatten der Marinekutter nach Kiel, welche während der „Kieler Woche“ durchgeführt werden. Erfreulicherweise konnte man feststellten, dass ähnliche seemännische Disziplinen auch unter ‚Westvereinen’ gepflegt werden, jedoch mit etwas anderen Bootstypen. Neue Seesportvereine versuchten ihre traditionellen Regatten aufrecht zu erhalten oder Neues ins Leben zu rufen. Während der „Stralsunder Segeltage“ geht es mit dem Segelkutter im Juni jeden Jahres rund um die Insel Hiddensee, was zu früheren Zeiten eine Unmöglichkeit war, aber jetzt zu einem ‚Muss’ für viele Seesportvereine geworden ist. Anlässlich der „Hanse-Sail“ in Rostock wird vor Warnemünde eine Segelkutterregatta auf der Ostsee ausgetragen. Im Jahr 2004 nahmen ca. 50 Boote daran teil, natürlich auch der WSC Halle. Unsere Kutter haben in ihrer Zeit schon viel Wasser unter dem Kiel gesehen und werden mitunter als Oldtimer betrachtet. Es ist für Teilnehmer einer solchen Regatta ein schönes Gefühl, zwischen den vielen alten Windjammern fast gleichberechtigt zu sein. Der Kutter mit dem Namen „Scheeks“ (natürlich typisch hallisch gibt es auch ein Boot namens „Ische“)  ist übrigens auch schon in die Jahre gekommen, denn er steht uns seit dem Jahr 1969 zur Verfügung. Fast alle Boote der GST gingen nach langwierigen Verhandlungen mit der Treuhand in das Eigentum des DSSV über und wurden den Vereinen zur sportlichen Nutzung übereignet.

In der Stadt Halle ist der Verein sicherlich nicht gänzlich unbekannt. Gab es in der Vergangenheit wenige Möglichkeiten sich in der Heimatstadt zu präsentieren, so sieht dies heute anders aus. Der WSC Halle beteiligt sich seit 1995 nach längerer Pause wieder am traditionellen Laternenfest der Stadt. In den folgenden Jahren waren wir in Verbindung mit dem Landeseesportverband Sachsen-Anhalt Ausrichter des „Laternenfest Pokals“ im 5000m-Kutterrudern. Vom DSSV wurde im Jahr 1999 die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft im 5000m-Kutterrudern in die Hände des Vereines gelegt. Hier trafen sich Vereine aus allen Teilen Deutschlands, denen wir außer unserer sportlichen Stärke die Sehenswürdigkeiten der Stadt Halle und die Schönheiten des Saaletales  zeigen konnten. Mittlerweile ist das Kutterrudern aus dem Laternenfestprogramm nicht mehr wegzudenken. Auch unsere Sportler vom WSC Halle kamen bei der erneuten Ausrichtung einer Deutschen Meisterschaft im Jahr 2002 zu Meisterehren in der Heimatstadt, indem sie in der Klasse ‚Mix’ (d.h. weibliche und männliche Ruderer zusammen im Boot) den Sieger stellte. In den Folgejahren wurde die Bilanz der Erfolge weiter aufgebessert.

Obwohl wir Breitensportler sind und nicht Mitglieder eines Leistungsstützpunkts bestätigt es uns, den eingeschlagenen sportlichen Weg beizubehalten und zu aktivieren. Das Vereinsleben zeichnet sich auch im Zusammenleben der Sportler mit ihren Familien aus, wo natürlich Gemeinschaftssinn und Spaß nicht zu kurz kommen.

Sieht man in die Zukunft warten neue Herausforderungen auf unseren Verein. Die Stadt Halle will alle kleineren Sportobjekte, die sich noch in ihrer Obhut befinden, den Sportvereinen in die Selbstverwaltung übergeben. Dies bedeutet nicht nur einen Pachtzins zu zahlen sondern die anfallenden Kosten selbst zu tragen. Das Objekt am Hufeisensee, selbst in die Jahre gekommen, muss von der Stadt saniert werden. Die Stadt, auf der unsere Hoffnungen leider schon seit Jahren umsonst ruhen, hat uns bisher in dieser Beziehung im Stich gelassen. Wasser in den Kellern der Vereinshäuser, hervorgerufen durch die Sanierung der ehemaligen Müllkippe Kanena lässt uns, was Arbeit und Aufwand an der Sportstätte betrifft, nicht zur Ruhe kommen.

Nach all den erfolgreichen Jahren in der Vereinsgeschichte, den überstandenen Veränderungen und Ereignissen ist der Verein in sich gefestigt und zuversichtlich, seinen Sport auch in der Zukunft erfolgreich weiterzuführen. Der WSC Halle hofft, möglichst mit anderen Trägern anstehende Probleme zu meistern. Schon oft haben wir uns selbst am Schopf gepackt, aus der Misere befreit und anstehende Herausforderungen bewältigt. Hoffen wir dies im Interesse des Breitensports der Stadt und speziell für uns selbst, den Wassersportclub Halle e. V.

Die Seesportler Deutschlands haben sicher unter dem Deutschen Seesportverband ( DSSV ) mit anderen Gleichgesinnten organisiert und stellen sich Leistungsvergleichen, nach einem eigens geschaffenen Wettkampfprogramm ihrer Organisation.

Aus Freude am Wassersport und aus Verbundenheit mit der Natur betreiben wir als Wassersportler den Seesportmehrkampf. Unter dem Begriff "Seesportmehrkampf" werden die seemännischen Tätigkeiten, wie Knoten, Wurfleinewerfen, das Kutterrudern, das Kuttersegeln ebenso auch das Laufen und Schwimmen im sportlichen Vergleich zusammengefasst.

Im Jahre 1994 nahmen wir erstmals an den Wettfahrten der Regatta für Marinekutter im Rahmen der Kieler Woche teil, wobei unsere Crew in der Klassenwertung K10 mit dem Kutter namens "Scheeks" einen guten 7. Platz belegte.

Nennenswert sind dabei die Erfolge bei den Deutschen Meisterschaften im 5.000m Kutterrudern, wo im Jahre 1997 ein deutscher Vizemeister und im Jahre 1998 ein fünfter Platz als Ergebnis zu Buche stehen.

Die Teilnahme an Pokalen im Kuttersegeln wie "Das Blaue Band vom Strelasund", die Regatta "Rund um Hiddensee", wo immerhin 70 Kutter am Start sind, sowie weitere Meisterschaften in Deutschland waren Prüfstein für alle Mitglieder unseres jungen Vereines.

So bedarf es einer guten Organisation der Vereinsführung, den Sinn für das gemeinschaftliche Handeln bei allen Mitgliedern entsprechend zu koordinieren und der Altersstruktur anzupassen. Dieses ist in den letzten Jahren ausgezeichnet gelungen, was den Zuwachs an Jugendlichen widerspiegelt.